Medizin mit Stock

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Butter bei die Fische
02.11.2020 11:27

Halllooooo, du! 

So, nun ist er da, dieser "Lockdown". Mit dem Begriff kann man so schön rumschmeicheln - ebenso wie mit Krise statt Pandemie. Wat solls. Sprache lebt und ändert sich. Und Manipulationen durch Sprache sind so alt wie die Menschheit selbst.

 

Neee, ich komme nicht aus Norddeutschland. Icke icke bin Berlina - eine Berlin-Brandenburgerin. Aber ich finde diese Formulierung richtig jut: "Butter bei die Fische".

Also - ich frag dich jetzt mal bissel konkreter:

1. Wann warst du das letzte Mal im Museum?

2. Wie oft gehst du im Jahr ins Kino?

3. Wie oft gehst du essen?

4. Kosmetik - Nagelstudio - Fitnesscenter - bestimmt wöchentlich?

 

Jaaa, ich provoziere. Und - ähm, hast du schon mein Buch gelesen? Oder wenigstens im Internet eine Leseprobe angesehen? Es heißt "Lass mich mit einem Kamel Lambada tanzen". Wann warst du übrigens das letzte Mal tanzen?

Heute kam via Facebook die Frage: Welche Stärken oder Fähigkeiten haben wir aufgrund unserer Brustkrebserkrankung entdeckt bzw. wieder entdeckt?

Ehrlich, es fiel mir nicht leicht, dies FB-gerecht kurz zu formulieren. Ich sag dann immer: "Ich habe mich wieder gefunden."

Soll bedeuten:

  • keine falschen Kompromisse mehr
  • bin mir wertvoll
  • sage, was ich will und was nicht

Das war nicht immer so. Also gut, Mama erzählt heute noch von meinem Trotzkopf und wie sie sich oft mit diesem Dickkopf auseinandersetzen musste - aber im Grunde will ich keinen Streit, will friedlich alles regeln. Daher wohl meinten meine Schüler einst: "Sie sind zu nett, Frau Bauer. Sie müssen uns auch mal richtig hart anpacken, wir brauchen das." Uff. Wenn du es genauer wissen willst, was und wie diese Krebserkrankung mich und andere in tatsächlich richtig gute Gleise schob, dann - du ahnst es - lies mein Buch! Und ich erläutere darin auch diesen seltsamen Titel. 

Nun aber die Butter zu die Fische:

Statistiken sind ja, eben Statistiken. Trotzdem. Ich frag Google, wie es so mit den Hobbys der Deutschen aussieht. Hier die Hobby-statistik!

  1. mit rund 28% Gartenarbeit
  2. 27% Einkaufen/ Shopping
  3. 20% Fotografieren
  4. 17% Essen gehen
  5. 15 % Rätsel lösen
  6. 14% Computerspiele
  7. 12% Fitnessstudio

Theater - Museum - Kino -hmm da steht nix. Ich suche also weiter:

Upps: Google zeigt mir gleich vorne an folgendes:

"Noch 105,4 Millionen Kinogänger wurden 2018 gezählt. Damit wurden 13,9 Prozent weniger Tickets als im Vorjahr verkauft. 06.02.2019"

Theater - schau selbst!  Rund 20 Millionen Theaterbesuche - also wie viele waren mehrmals von ihnen da?  83 Millionen Menschen lebten 2019 in Deutschland. Ja klaro, von Null bis über 100 Jahre alt.

Was das soll?

Moment, ich schau noch fix nach, was die Museen und Galerien betrifft:

"In Deutschland gibt es ca. 6.800 Museen mit jährlich rund 114 Millionen Besuchern und 470 Ausstellungshäuser mit jährlich rund 6,2 Millionen Besuchern. " Weiß wikipedia zu berichten. Ähm, wie viele sind Gäste aus dem Ausland? War wirklich jeder Deutsche einmal im Jahr in einem Museum bzw. in einer Ausstellung?

Was das soll?

Alsoooo - ich lese derzeit ein großes Klagen, weil ja nun heute dieser Lockdown startet. Und wenn ich die Presse so verfolge, müssten nahezu alle Deutsche mindestens wöchentlich einmal Essen gehen, ins Kino usw.

Dieser Lockdown scheint unser Kulturvolk völlig ins Loch zu donnern. Ähmmm, als ich in einem sozialen Netzwerk Goethe zitierte, aus seinem "Faust", antworteten viele, was das solle, das würde heute niemanden interessieren. Und die Zeugen Jehovas habe ich wohl nun auf Dauer von meiner Gartenpforte verscheucht, da ich sie jedes Mal auf Lessings Ringparabel hinweise. Und jedes Mal musste ich ihnen erklären, dass die aus Lessings Nathan, der Weise ist und welches Fazit sich aus der Parabel ergibt -  weil sie die nicht kannten oder sich nicht mehr erinnerten. Nun ja. Manchmal nutze ich auch den Kaukasischen Kreidekreis von Brecht als Argumentation, worin wirklich Liebe besteht. Ähmmm...

Nun wundere ich mich, warum das Wehklagen so groß ist. Schau doch mal nach oben, die liebste Freizeitbeschäftigungen sind? Na???  Die Gartenarbeit.

 

Okay, Shopping ist etwas lästig. Fotografieren jedoch funktioniert prima, gerade jetzt im Herbst.

Ich würde jetzt gern noch was zum Thema Differenzieren schreiben, aber dann wird es zu lang. Nur eine Bemerkung: Es hilft im Leben sehr, zwischen tatsächlich Notwendigem und anderem zu unterscheiden. Und wenn man dann noch googelt, was sind Viren, wie vermehren die sich, was setzt sie außer Kraft --- dann, dann findest auch du eine Freizeitbeschäftigung, die kein Lockdown ausser Betrieb setzt. 

Anmerkung: Falls wer - also ich hab wieder keine Buchlesung live, keine Vernissage, kein Training..... Gottseidank ist mein Mann Rentner und wir müssen/ können seit eh und je rechnen... 

Lass dich nicht unterkriegen!

Vielleicht kannst du mir antworten - das wäre klasse. Also was fällt dir ein, wie du durch diese harte Zeit kommst, ohne psychisch zu sehr zu leiden. 

Lieben Gruß - bleib gesund und aufmerksam und kreativ

Deine Marita

 

Sagen wird man über unsre Tage
Das Leben ist ...

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