Medizin mit Stock

Natur erleben

05
Ok
Der Herbst steht auf der Leiter
05.10.2020 12:14

... und malt die Blätter an.

Diese Liedzeile fällt mir häufig ein, wenn ich, wie auch in diesem Jahr, durch die herbstliche Natur stromer. Oder auch das Gedicht von Hebbel:

DIES IST EIN HERBSTTAG, WIE ICH KEINEN SAH!
DIE LUFT IST STILL, ALS ATMETE MAN KAUM,
UND DENNOCH FALLEN RASCHELND, FERN UND NAH,
DIE SCHÖNSTEN FRÜCHTE AB VON JEDEM BAUM.

O STÖRT SIE NICHT, DIE FEIER DER NATUR!
DIES IST DIE LESE, DIE SIE SELBER HÄLT;
DENN HEUTE LÖST SICH VON DEN ZWEIGEN NUR,
WAS VOR DEM MILDEN STRAHL DER SONNE FÄLLT.

Ich liebe das warme Herbstlicht, den Zauber der bunten Blätter und:

Ich liebe Kastanien. Sie sind irgendwie "philosophisch".

Aber erst mal noch, klaro : Hallo DU, schön dass du hier bist!

Gut, zurück zur Kastanienphilosophie. Da fällt was Stacheliges vom Baum. Wenn ich Glück habe, direkt vor die Füße. Manchmal aber rummst es gewaltig auf meinem Autodach. Peng. Diese kleine Bombe platzt mitunter richtig auf und heraus rollt, glänzend braun, eine zauberhafte Kugel. Ihre Glätte reitzt zum Aufheben. Nicht immer ist gleich zu entdecken, welche Schönheit sich unter der stacheligen Schale verbirgt. Dieses Schale kann ordentlich pieksen. Ohje. Ja, das habe ich erlebt: Wenn es mir gelingt, dieses Stachelmonster zu öffnen, mutig die Schale zu knacken, kommt etwas hervor, das diesen Mut wert war. Das trifft definitiv nicht nur auf Kastanien zu. ;-)

Die Frucht eines Baumes, der im Frühjahr in stolzer Blüte stand, kullert durch meinen Garten, genauer liegt in der Ausfahrt. Ich mag nicht drüber rollen und sammle sie deshalb auf. Leider gibt es diese Moniermotte. Sie greift immer wieder den Baum an. Doch ich beobachtete kleine Meisen, die als Verteidigungsarmee für den Baum agierten. Jedoch dieses Jahr vermisste ich sie sehr. Was verdammt nochmals ist das nur für ein Jahr, dieses 2020! Sieht so schön aus, diese Zahl, und bringt so viel ähmm..Sch.. mit sich. Wie Mutti oft sagt in sonem Falle: "Außen Hui, Innen pfui."  Da ist mir außen stachelig und innen warm, ja lächelnd und zukunftsweisend, mehr als nur lieber!

Nun steht wieder ein Korb voller stacheliger Gesellen da. Ich fühle den Kontrast des Inhalts, denke an dies eben, also rauhe Schale - knacken - wunderbarer Kern - Zukunft.

Hmm... ich bin im Herbst meines Lebens. Bin ich das? Achwat, ich bin weiter gekommen, weiter, als es manches Mal erschien. Jut so. Meine Onkologin meinte damals: "Ich will, dass Sie auf der Hochzeit Ihres Enkels tanzen können." Der Junge war ganz klein. Er meinte gestern dazu, als ich es ihm erzählte, er würde damit noch sehr lange warten. Er ist größer als ich, 15 Jahre nun alt. Ja Junge, warte mal noch schön lange. Ich hab nämlich nicht nur noch vor, etliche Male Kastanien zu sammeln. Ja.

 

"Was mache ich nun mit euch?" Ich streichele gern das glatte glänzende Braun. Es ist ein sehr warmes schönes Braun, als hätte es die Sommerhitze gespeichert. Der Baum warf sehr viele Kastanien ab, viel für seine Größe. Irgendwo las ich, dass gestresste Bäume sehr intensiv für ihren Nachwuchs dann Früchte entwickeln. Hmm.

Ich werde eine Kastanienkette fädeln. Ja. Wohlwissend, nach gut 60maligem Kastaniensammeln hab ich die Erfahrung gesammelt, sie werden schrumpelig und verlieren mit der Zeit ihre glatte Rundung und ihren Glanz. Ein paar Früchte hab ich in den Wald geworfen. Die Natur soll sie haben.

 

 

 

 

 

Dieses Bild hängt jetzt in der Sparkasse in Birkenwerder - sozusagen als Hingucker. Ich sollte es mal besser fotografieren. ;-)

Also - eine Hohelied auf die liebenswerte stachelige Schale, die sich schützend um Wertvolles gelegt hat.

Und genieße diesen Zauber der Natur. Bis bald - vielleicht live und in Farbe?

 

Lass es dir gut gehen!

Deine Marita

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