Medizin mit Stock

Natur erleben

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Ja
Ich versuche zu verstehen
22.01.2021 11:32

Einen schönen Freitag wünsche ich dir und dir... ich freue mich, dass es immer mehr Zugriffe auf meine Webseite gibt.

Selbstgespräche sind nicht unwichtig. Sie helfen, zu reflektieren und sich selbst so manche Frage zu beantworten. Aber Kommunikation ist genauso wichtig.

Heute habe ich endlich meine Bildergalerie ergänzt. Sie ist noch lange nicht vollständig. So fehlen noch meine Experimente, ich habe z.B. Mobiles oder kleine Kästchen und Leuchten gebastelt. Eigentlich waren diese Objekte als Anregung für die Kinder in meinen Kunst-Arbeitsgemeinschaften gedacht. Denn ich möchte ihnen aufzeigen, dass es Spaß macht, Materialien und Dinge so zu verwenden, dass etwas ganz anderes entsteht, als wofür sie eigentlich vorgesehen waren.

Da fällt mir ein, was meine Kinder so für Ideen hatten. Vieles habe ich aufgehoben und verwende manches weiterhin - zum Beispiel den Stiftbecher aus einer Klopapierrolle. Meine Kinder waren oft sehr kreativ. Und auch heute haben sie sich vieles erhalten. Meine Enkelkinder mischen da nun mächtig mit: Die Mädchen, die nicht nur viel lesen und basteln, sondern Trompete spielen, der Junge, der als Michael Jackson Double in unserer Region Aufmerksamkeit erweckte, komponiert, malt.. 

Das ist jetzt in dieser Coronazeit ein ganz hohes Gut. 

Seit einiger Zeit entbrennen heftige Diskussionen zum Thema Kita öffnen/ schließen. Nicht zu Unrecht betonen die Befürworter, dass Kinder soziale Kontakte benötigen. Ja und da ich seit meinem 14. Lebensjahr mit Kindern und für Kinder tätig bin, also 50 Jahre (ohmeinjott) sind das nun, kenne ich genug Probleme und weiß, wie sehr zu viele Kinder außerhalb der Familie dringend Halt und Unterstützung brauchen. Als Lehrerin habe ich genug erlebt, mit Kindern gelitten. Aber auch als Trainerin begegnete mir manch Trauriges, nee, das will ich nicht aufzählen.

Ich frage mich jedoch, wird der Kita im Grunde nicht zu viel zugeschrieben? Meine Schwester und ich sind nie in einem Kindergarten gewesen. Auch meine Töchter waren mitunter lange nicht in einer Kindertagesstätte sondern zu Hause. Ganz ehrlich, soziale Defizite finde ich bei uns nicht. Hmm.

 

Meine Schwester ist fünf Jahre jünger als ich. Und auch meine Kinder sind altersmässig weit auseinander.  Ich bin jetzt etwas ketzerisch: Wie oft wurden mir Kinder anvertraut, waren wir am Sonntag mit Kindern z.B. bei Wettkämpfen - die Eltern kannten wir kaum bzw. wir hatten öfter das Gefühl: "Sollen die sich mal mit unseren Kindern abgeben."  Ja.

Mir muss wirklich niemand erzählen, wie schwierig "Homeworking" mit Kindern ist. Ich war Lehrerin und musste damals noch sonnabends arbeiten. Zu dieser Zeit hatte kein Kindergarten sonnabends mehr auf. Wenn ich werktags aus der Schule kam, holte ich meine Kinder erst mal ab, saß dann meist noch einige Stunden an Unterrichtsvorbereitungen, korrigierte Diktate, Aufsätze usw. Meine zwei Töchter lernten, sich allein und auch miteinander zu beschäftigen. Es ist definitiv schwierig. Aber machbar. Vieles verlegte ich in die Zeit, wenn sie im Bett waren. Da diskutierte niemand drüber. Und heute schmunzle ich über die Bemerkungen, die ich einfing, als ich zu Hause das Büro meines Mannes betreute, meine Jüngste war Baby. Ich würde Kinder bekommen, um nicht arbeiten zu müssen. Und zu Hause wäre niemals Arbeit. ... Da fällt mir eine Episode mit dem Grafiker Manfred Butzmann ein, den wir Studenten damals in seinem Atelier besuchten. Er berichtete schmunzelnd, wie er so "nebenher" die Post der halben Straße bekam, gebeten wurde, für Handwerker da zu sein - er war ja zu Hause, nich...

Für uns war es normal. Mein Mann kam selten vor 20.00 Uhr von der Arbeit nach Hause. Jajaja, dieses blöde "Früher haben wir...". Trotzdem. 

Ich frage mich oft, ob die Kinder der letzten Generation zu viel "bespaßt" werden. Wann haben sie Zeit nur für sich - ja auch Zeit für Langeweile? 

ACHTSAMKEIT -  heute ein wichtiges Wort inbezug auf Therapien, auf Glücklichsein, im Hinblick Gesundheit. Doch wie will man Achtsamkeit erlernen, wenn man kaum mit sich allein ist?

Ich habe es oft genug erlebt: Die Kinder wurden von meinem Leichtathletiktraining abgeholt, dann zum nächsten "Event" gekarrt und wehe, man musste Trainingszeiten verändern, da war fast nie ein "Loch" im Terminplan der Kinder. 

In meinen Kunst-Arbeitsgemeinschaften waren die Kinder oft erstaunt, wenn ich ihnen einen großen Entscheidungsspielraum eröffnete. So aber war es möglich, keine "Bilddiktate" als Endergebnis zu haben, sondern jedes Kind hatte sich sein Bild erarbeitet und war super stolz darauf. Sah ich mich in den Schulen um, entdeckte ich so gut wie nie individuelle Lösungen sondern Klassensätze einer Bildidee. 

Als ich an der Humbold-Uni studierte, lehrte man uns in Methodik und auch Didaktik, dass es in der Kunsterziehung zwei große Aufgabengruppen gibt: 

  1. Übungsaufgaben
  2. Entscheidungsaufgaben

Selbstverständlich benötigt man erst einmal Wissen, um Entscheidungen fällen zu können. Entscheidungen bedürfen Mut. Als ich noch unterrichtete, ließ ich mir von jedem Kind erklären, was es mit seinem Bild mitteilen wollte. So hielt ich es in meinen Arbeitsgemeinschaften ebenfalls. Zuhören - Staunen. Was Kinder so bewegt! Das ist so wertvoll!

Heute lese ich immer wieder, man solle wertfrei agieren. Geht das? Ganz klares NEIN!

Wir werten ALLES, was unsere Nervenzellen registrieren. Unter diesem Wertfrei ist m.E. eher gemeint: Kritisiere bloß nicht!

Eiapopeia.....

Zwischen Meckern und wertschätzender Kritik, zwischen Beleidigung und Meinungsäusserung liegen jeweils Welten.

Doch wie lernen wir das?

Ja klar, in der sozialen Interaktion. Eigentlich. Wenn.... doch unsere Wertmaßstäbe entstehen erst einmal zu Hause. In der Familie. 

Diese beiden Arbeiten entstanden ebenfalls in meinen Arbeitsgemeinschaften. Sie sind nicht fertig, zeigen aber den Spielraum.

So... es wird zu lang. Was will ich? Nutzt das, was jetzt so schwierig und hart ist, was teilweise Angst macht, was ausbremst, nutzt es, um weiter voran zu kommen. Befasst euch mit dem, wie ihr ACHTSAMKEIT und auch RESILIENZ erwerben könnt - habt Mut, mit euch allein zu sein und gebt euren Kindern den Raum für eigene Erfahrungen, Gedanken und ja auch Langeweile!

In meinem Buch "Lass mich mit einem Kamel Lambada tanzen" zeige ich euch anhand des Nordic Walking, wie man Achtsamkeit erwerben kann und wie verdammt wichtig es ist, eine Meinung zu haben, zu vertreten und wie aber auch unsere Psyche im Zusammenhang mit unserer Muskulatur Einfluss auf unser Denken und Tun hat.

 

Toi toi toi... ich verziehe mich jetzt in die Küche. Was ich kochen werde? Öhmm, fällt mir dabei schon noch ein.

Schönes und kreatives Wochenende - ohne Bespaßung! ;-)

Deine - Eure Marita

Grau - grau - grau...

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