Medizin mit Stock

Natur erleben

18
Ap
Vom Sturm, dem Ast und anderem
18.04.2019 15:32

Der Sturm brauste mit all seiner gewaltigen Kraft und zauste und rüttelte, ja brüllte und schüttelte. Sogar in die alte Eiche, an deren Festigkeit und Dauerhaftigkeit die Bewohner des Astes da oben links schwerlich zweifeln durften, sogar dort hinein bollerte eine heftige Böe und der Ast brach. Rums. 

Mit ihm sausten seine Bewohner tiefer und mitten im heftigsten Fall, die ersten waren schon zum finalen Rettungssprung übergegangen, blieb der Ast hängen. Der Aufprall erschütterte ihn und sogar den alten Baum heftig. Jedoch war die Eiche, trotz etlicher weiterer alter morscher Zweige und anderer Altersschwäche überall, an jener Stelle immerhin noch so stabil, dass sich der abgebrochene Ast dort derart verhakeln konnte, dass die Schäden am Gestürzten und dem eher unfreiwilligen Retter sich in Grenzen hielten. Wobei, das ist ja wirklich klar, der abgebrochene Ast von seiner Lebensader getrennt war und seine Blätter begannen langsam zu welken. 
Aber der Sturm konnte ihn nicht ganz von seinem Ursprung verwehen. Immerhin. 

Dort, wo der Ast nun hängen geblieben war, blickten erstaunte Käfer aus der Rinde ihres bis dahin ruhigen Baumzuhauses und dachten sich: "Wenn schon - denn schon!" und begannen sich umzuschauen, welche der Blätter, die ihnen ja zugeflogen waren, für sie von Verwendung wären. Es stellte sich heraus, dass sie ganz gut zu gebrauchen waren, denn sie waren viele Jahre von den kleinen Bewohnern des ja nun heruntergekommenen Astes gehegt und gepflegt worden, so gut es für sie eben ging, dort oben in luftiger Höhe, wo die alte Eiche ihre Lebenssäfte jedoch unregelmässig und schwach hochzupumpen vermochte. 
Die kleinen Käferchen von dort oben hatten eine etwas andere Farbe daher als jene, die nun verwerteten, was nur ging, als gerechte Entschädigung dafür, dass ja ihr Ast so derb gerüttelt worden war und der Gestürzte mit all seinem Hab und Gut in ihrem hakte. 
Die neuen Mitbewohner nun sortierten sich ebenfalls und ja, nach anfänglicher Freude ob des Auffangens, kam doch Missmut auf, denn ihnen blieben nur noch all jene Blätter, die die anderen nicht wollten. 
So begegneten sich zwei Käfer an einem Blatt, das noch nicht so ganz knisternd an einem Ästchen welkte. "Hei du, " so der eine, "erst hole ich mir meinen Teil! Dir als ungebetener Gast steht der Rest zu.." Der andere schaute verwundert: "Warum nur? Ich war es, der das Blatt Jahre gehegt und gepflegt hat. Mühselig half ich ihm, doch noch genügend Lebenssaft zu bekommen, schleppte es heran." "Pha," lachte der andere, " kann ja nicht viel genutzt haben, sonst läge es nicht hier. Hättest nen Eimer ohne Löcher nehmen sollen." 
Derartige Gespräche brachen nun immer mehr aus. 

Da kam ein Vogelpärchen geflogen, es war auf der Suche nach einem geigneten Ort für ihr Nest, "Schau Liebste, hier ist es besonders stabil. Der abgestürzte Ast hat sich derart in dem anderen verfangen, dass sie zusammen unserem Nest mehr Halt als alle anderen geben könnten." Sie testeten und 
Tja und vernahmen die Streitgespräche. Da flogen sie davon. Wie all die anderen, die wie sie befürchten mussten, dass trotz aller guten Bedingungen der Streit der Käfer es.. nun ja verkackt.

 

 

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