Medizin mit Stock

Natur erleben

18
Ja
Von Kamelen und anderen "Viechern"
18.01.2021 14:20

Hallöle! 

Ähm, deine Laune ist nicht so toll? Nunja. Ich gebe zu, die meine hat auch Löcher. Dieses ständige Grau " da draußen", die Nachrichten und so - aber was hilft es.

Wehklagen schadet ja nur mir selbst - und geht vielleicht anderen auf den Keks.

Meine Wellensittiche haben sich nun wieder daran erinnert, dass es besser ist, nachts die Innenvoliere aufzusuchen. Einen Abend benötigten einige für diese wichtige Erkenntnis schon. Nun schließe ich nach Eintreten der Dunkelheit den Durchgang und die kleinen bunten Gesellen suchen sich ihre Schlafplätze. Das geht mitunter mit einigen Auseinandersetzungen einher. Aber wenn ich schimpfe, ist augenblicklich Ruhe und die Truppe gibt Frieden. Vor sich hin piepsend schlummern sie dann ein. Wie im Kindergarten. 

Wenn ich am nächsten Tag den Zugang zur Außenvoliere öffne, sitzen die ersten Piepmätze schon wartend davor. Sofort sausen sie los. Hinaus in das Tageslicht. Es geht ihnen nicht anders als uns. Sie müssen sich ebenfalls Gegebenheiten fügen - in ihrem Interesse. 

Ich kann sie ja auch nicht in die Freiheit entlassen. Fast alle Vögel, die bei mir wohnen, sind hier geschlüpft. Andere wurden gefunden und abgegeben oder waren verwaist und sollten nicht einsam bleiben. So kam diese muntere Vogelgesellschaft zusammen. Ab und an ist in all den Jahren uns einer entfleucht. Der zwitscherte dann oft so "Hurra!" und düste hoch hinaus. Dumm gelaufen. Denn die Wellensittiche haben es nicht gut getroffen, wenn sie in den nahegelegenen Wald verduften. Sie sind zu bunt, sie sind zu anders, sie sind vielleicht sogar zu schön.

Zwei Mal rettete sich jeweils ein fremder Piepmatz an meine Voliere - ihn hatte der Gesang seiner Artgenossen angelockt. Und immer ging der Ausreißer hinein in ein dann daneben gestelltes Vogelbauer, das mit Futter lockte. Jedes Mal hatte ich den Eindruck, dass der kleine Kerl nun wusste: "Hier bin ich sicher!" Kost und Logie und kein mordlüsterne feindliche Vogelwelt kann zugreifen.

 

So ist das mit der Freiheit.  ;-) Meine Wellis lassen mich schon oft genug philosophieren.

Tiere - sie können uns helfen, manches anschaulicher zu machen. Erinnert ihr euch an die Fabeln? Der Fuchs und die Trauben - an diese Fabel werde ich oft erinnert.

Oder die Fabel, in der der Storch und der Fuchs sich gegenseitig zum Essen einluden. Ja ja.

Mit dem Kamel ist es so: Es hat viele Facetten. Mutti nannte mich öfter "Kamel mit Locken", wenn ich mal wieder etwas umwarf, kaputt machte. Naja. Kamele sind für vieles synonym oder so. Tanzende Kamele ;-)  Okay. Ich war mal mit ein Kamelrennen in Hoppegarten anzuschauen. Was hab ich mich amüsiert! Eines sah überhaupt nicht ein, in die vorgegeben Richtung zu traben und drehte immer wieder um.

Ein guter Bekannter erzählte nach einer Reise, er hätte bissel überlegt, ob er seine Frau gegen die zig Kamele, die ihm angeboten worden wären, umtauschen sollte - aber nö, wo passen die alle in seinen Garten hinein? Da habe er doch seine Frau lieber wieder mitgebracht. 

Mir fiel ja mein BUCHTITEL so ganz spontan ein. Wirklich. Also ich dachte es mir erst so : Und wenn ich mit einem Kamel Lambada tanzen möchte...

Meine Lektorin meinte, der wäre zu lang und machte dann daraus: "Lass mich mit einem Kamel Lambada tanzen" .  Klingt nicht ganz so trotzköpfig, wie ich es erst angedacht hatte. Aber gut.

Während des Schreibens wollte ich ein einem Absatz erläutern, warum ich so einen Titel ausgewählt hatte. Mein Grundgedanke war, aufzuzeigen, wie absurd ich vielen meiner Mitmenschen vorgekommen sein musste. Als ich dann aber genauer recherchierte, was das mit dem Kamel alles so auf sich hat, zog ich innerlich den Hut vor meiner Spontanität. Dat war nich so übel! Und es passte alles.

Interessant war für mich, dass Menschen, die ähnliche Ausnahmesituationen erlebt hatten, diesen Buchtitel sofort akzeptierten. Hingegen manche, die so etwas nicht erleben mussten, wenig damit anfangen konnten. 

 

In der Überschrift steht "Viecher" - damit haben gewiss zarte Gemüter ein Problem. Nun ich bin Berlinerin, wenn ich jetzt auch etwas mehr als die Hälfte meines Lebens in Birkenwerder lebe. Aber Berlinerin- Sein hat mich geformt. Und in Berlin ist so eine Formulierung eine liebevolle Frotzelei. Wer das nicht kennt, stolpert dann schon drüber, vermute ich.

Mein anderes "Viech" schnarcht seinen Mittagsschlaf runter. Unser Timo ist nun schon 11 Jahre alt - und immer wieder eine Überraschung. Super, wie der uns beobachtet und daraus seine Schlüsse zieht: "Wie verhalte ich mich, um das zu erreichen, was ICH will?" Perfekt kann der das. Und weil ich das merke, werde ich noch nachgiebiger. Aber, aber nicht immerzu. Denn dann würde aus unserem schönen Hund so ein dicker Alte-Leute-Hund. Das täte ihm nicht gut. Ergo, muss oft genug ein NEIN sein, wenn er mir Kissen und Decken anschleppt oder meinen Papierkorb im Atelier auskramt und was davon mir auf den Schoß wirft - alles mit dem Ziel, ich möge seinen Ball mit Leckerlies füllen, damit er den durchs Haus jagen und die rauskullernden Traumteilchen fressen kann. Ist der Ball leer, hängt er ihn sich mit dem Loch übern Eckzahn und wirft ihn mir elegant auf den Schoß. Dann DER BLICK, die Ohren angelegt, Küsschen und wenn ich frage:"Was willst du?" beginnt er, mir das in Hundisch zu erzählen. 

Trotzdem - ich muss NEIN sagen, wenn es zu ungesund für ihn wird. Ich mache das, weil ich ihn sehr mag und möchte, dass er noch viele Jahre seine Bettelei mit uns machen kann.

So ist das mit Regeln, mit Nein und anderem.... 

 

Hab nen schönen Tag! Und wenn morgen die nächsten Corona-Regeln kommen, denke an meine "Viecher-Berichte". ;-)

Deine Marita

 

 

 

 

Los geht es!
Ich versuche zu verstehen

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